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Das Archiv der Erzdiözese Salzburg

Salzburg

Das Archiv der Erzdiözese Salzburg (ehemals Konsistorialarchiv) fand im Mai 2006 eine neue Heimstätte im „Kardinal-Schwarzenberg-Haus“ und zählt mit einer Nutzfläche von 2000 qm nun auch räumlich zu den größten Archiven Salzburgs. Hervorgegangen ist es aus dem Archiv des alten „Konsistoriums“, der beratenden Zentralbehörde der Salzburger Fürsterzbischöfe – daher sein früherer Name: „Konsistorialarchiv“.

Im frühen 19. Jahrhundert gelangte mit der Säkularisation des bis dahin autonomen Reichsfürstentums Salzburg, dem mehrfachen Wechsel der Landeszugehörigkeit (an Österreich, dann Bayern und wieder zurück) und der Errichtung neuer Verwaltungsstrukturen ein Teil des Archivbestandes an die weltlichen Nachfolgestaaten und -institutionen des Erzstifts Salzburg. Dennoch ist die Menge an Archivalien immer noch eindrucksvoll. Bestände wie die Personalakten der Salzburger Erzbischöfe (seit dem Ende des 15. Jh.) aber auch Akten aus den ehemaligen Suffraganbistümern Gurk, Seckau, Lavant und Chiemsee und viele andere Bestände spiegeln außer der Geschichte der inneren und äußeren geistlichen Verwaltung des Erzbistums unter anderem auch dessen musikalische Geschichte.

Diese wird in erster Linie durch jene Quellenbestände dokumentiert, die aus dem Archiv der Dommusik an der Metropolitankirche in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts dem Archiv der Erzdiözese Salzburg zur Verwahrung und Verwaltung übergeben wurden.

Salzburg war im 17. und 18. Jahrhundert ein Musikzentrum von europäischem Rang. Dem Umstand, dass das Aufführungsmaterial der für die Salzburger Domkirche bestimmten geistlich-liturgischen Werke seit der Errichtung der Domkirche ebendort verwahrt wurde, ist es zu verdanken, dass ein einzigartiger und für bestimmte Zeitspannen beinahe kompletter Bestand an Musikalien über Jahrhunderte erhalten geblieben ist. Dieses Material ist insofern von besonderem Interesse, als in ihm neben den Werken vieler sogenannter ‚Kleinmeister’ auch authentische Quellen zum Werk Heinrich Ignaz Franz Bibers, Leopold Mozarts, W. A. Mozarts und Michael Haydns überliefert sind.

Nach dem kulturellen Niedergang Anfang des 19. Jahrhunderts kam es mit der Gründung des „Dommusikverein und Mozarteum“ im Jahre 1841 durch Erzbischof Friedrich Fürst von Schwarzenberg (1809-1885) und dem Wiener Rechtsanwalt Franz von Hilleprandt (1796-1871) zu einer Bündelung bürgerlicher und kirchlicher Interessen und in der Folge zum erneuten Aufschwung des Salzburger Musiklebens. Maßgebende Salzburger Institutionen, wie etwa die Internationale Stiftung Mozarteum die Salzburger Festspiele oder die heutige  Musikuniversität Mozarteum, sind letztlich aus diesem „Musikverein“ hervorgegangen. Zu dessen Auftrag zählte stets, eine Musikbibliothek zu führen, die in erster Linie durch Schenkungen erweitert wurde. Die Nachlässe von Carl und Franz Xaver Mozart stellen dabei die wertvollsten Zuwendungen und Stiftungen dar. Mit der institutionellen Trennung von Dommusik und Mozarteum im Jahr 1881 wurde der einst gemeinsame Bestand an Musikalien zwischen den beiden Nachfolgeorganisationen (Internationale Stiftung Mozarteum bzw. Dommusikverein) aufgeteilt, wobei naturgemäß vorwiegend, jedoch nicht ausschließlich, die Bestände geistlicher Musik am Dom verblieben.

Seither wuchs der Bestand durch Nachlässe und Ankäufe. Auch die Restbestände an Musikalien in den zur Erzdiözese Salzburg gehörigen Pfarren, die seit den 1980er Jahren zentral gesammelt wurden aber noch der systematischen Erfassung und Inventarisierung harren, ließen den Musikalienbestand des Archivs der Erzdiözese Salzburg beständig wachsen.

In solchen Neuzugängen finden sich immer wieder Kostbarkeiten, wie etwa die Sinfonie-Fassung der Ouvertüre zu Mozarts Oper Lucio Silla KV 135, die im Notenbestand der Pfarre Stuhlfelden entdeckt wurde. Auch der 2006 präsentierte und von großem Medieninteresse begleitete Fund von bisher unbekannten Kompositionen und frühen Abschriften von Werken des jungen W. A. Mozart entstammt höchstwahrscheinlich  einem Pfarrarchiv. Die Herkunft eines kleinen Bestands an Opernpartituren und dazugehörigen Aufführungsmaterialien ist bisher noch ungeklärt. Auf alle Fälle wird die Musiksammlung noch mit manchen Überraschungen aufwarten können.

Finanziert vom Wissenschaftsfonds der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (FWF) begannen im November 2007 zwei junge Musikforscher – Frau Dr. Eva Neumayr und Herr Mag. Lars E. Laubhold – unter der Projektleitung des langjährigen Archivleiters Dr. Ernst Hintermaier, zunächst die handschriftlich überlieferten Musikalien der Dommusik bis 1841 in der RISM-Datenbank zu erfassen. Binnen dreier Jahre soll zusätzlich zur Datenbank auch ein vollständiger gedruckter Katalog dieses Bestands den bisherigen, nur für den internen Gebrauch geeigneten Zettelkatalog ersetzen und so die Musikalien des Archivs der Erzdiözese Salzburg für weitere Forschungsvorhaben erschließen.

(Eva Neumayr, Salzburg)

Weitere Informationen

KONTAKT

RISM-Arbeitsgruppe Salzburg

Internationale Stiftung Mozarteum und Archiv der Erzdiözese Salzburg

Dr. Armin Brinzing

Bibliotheca Mozartiana

Schwarzstr. 26

5020 Salzburg

Tel.: +43 662 8894014

E-Mail: brinzing@mozarteum.at

http://bibliothek.mozarteum.at/primo_library/libweb/action/search.do?vid=ISM

Mag. Dr. Eva Neumayr
Archiv der Erzdiözese Salzburg
Kapitelplatz 3
A - 5020 Salzburg
Tel.: +43 662 8047 1507
Fax: +43 662 8047 1509
http://www.kirchen.net/archiv

E-Mail: eva.neumayr@archiv.kirchen.net oder eva.neumayr@mozarteum.at